Regierungserklrung der Bundeskanzlerin zum EU-Frhjahrsgipfel 

01.03.2007
Stenografische Mitschrift
 
Herr Prsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
 
Ich freue mich, heute als Vorsitzende des Europischen Rates zu Ihnen sprechen zu knnen. Wir haben uns als Bundesregierung  der Ratssitzung in der nchsten Woche, ber die wir heute sprechen, sind ja viele Einzelrte vorausgegangen  sehr gut auf diese Prsidentschaft vorbereitet.
 
Sie wissen, dass in die deutsche Prsidentschaft der 50. Jahrestag der Rmischen Vertrge fllt. Ich glaube, wir knnen sagen: Wie 1957 steht die Europische Union auch heute wieder an einer wichtigen Weggabelung, allerdings unter vllig vernderten Rahmenbedingungen. Damals, vor 50 Jahren, ging es um den Wiederaufbau Europas, um die Schaffung tragfhiger Grundlagen fr einen beginnenden Wohlstand. Heute geht es darum, die bisher versumten oder nur halb vollzogenen Anpassungen der Europischen Union an ihre neue Gre auf der einen Seite und eine vllig vernderte Weltlage auf der anderen Seite vorzunehmen.
 
Die Bundesregierung stellt sich mit der Aufgabe der Ratsprsidentschaft dieser Verantwortung. Wir wollen das europische Projekt vorantreiben. Die Menschen  das ist unser Ziel  sollen die Europische Union als hilfreich empfinden. Dafr ist notwendig, dass die Europische Union und das, was in ihr geschieht, die Akzeptanz der Brgerinnen und Brger finden.
 
Dabei ist klar: Nur wenn Europa wirtschaftlich erfolgreich ist, wird es seine Werte und auch sein Lebensmodell behaupten knnen und weiter dafr werben knnen. Wir wissen, die Welt wartet nicht auf Europa. Andere Weltregionen  das ist das Zeichen der Globalisierung  entwickeln sich zum Teil in geradezu atemberaubendem Tempo. Viele Lnder auf der Welt streben heute danach, auch fr ihre Menschen mehr Wohlstand und bessere Lebensbedingungen zu erreichen.
 
Wirtschaftlicher Erfolg  das wissen wir  ist kein Wert an sich, sondern er soll den Menschen dienen, mglichst allen Menschen; er soll ihnen Lebenschancen erffnen. Das ist fr uns das Credo, wie wir es in Deutschland nennen, fr die soziale Marktwirtschaft. Europa hat  ich glaube, daran gibt es keinen Zweifel  durch die Schaffung des Binnenmarktes bereits erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Es gibt fr mich auch keinen Zweifel daran, dass Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft ganz wesentlich von diesem Binnenmarkt profitiert. Wichtig ist, dass diese Frchte auch denen zugutekommen, die auf unsere Solidaritt angewiesen sind. Das gilt fr die Brgerinnen und Brger in der Europischen Union; das gilt aber auch fr unsere Fhigkeit, auerhalb der europischen Grenzen Hilfe und Untersttzung zu leisten.
 
Europa steht fr eine Verbindung von wirtschaftlicher Leistungskraft und sozialem Ausgleich. Aber wir spren, dass dieses Modell, das viele Jahrzehnte funktioniert hat, durch die Globalisierung unter einen neuen Druck geraten ist. Wir mssen schauen, wie wir darauf reagieren. Wir mssen uns fragen: Wohlstand fr alle  was heit das, und was braucht es dazu im 21. Jahrhundert?
 
Ich glaube, es ist klar, dass fr die Erreichung dieser Ziele zunchst einmal Wachstum notwendig ist, Wachstum in einer ganz ausgeprgten Dimension: qualitatives Wachstum, aber an vielen Stellen auch quantitatives Wachstum. Ohne Wachstum wird es nicht mglich sein, den Wohlstand zu erhalten; es wird so auch nicht mglich sein, Solidaritt zu ben. Damit Solidaritt und Gemeinsinn auch im 21. Jahrhundert fr die Menschen weiter sprbar sind, mssen wir alles daransetzen, eine leistungsfhige Gesellschaft in der Europischen Union zu bleiben.
 
Sie wissen, dass der Frhjahrsrat, der nchste Woche am 8. und 9. Mrz stattfindet, traditionell als Schwerpunkt die Frage der wirtschaftlichen Dynamik und der internationalen Wettbewerbsfhigkeit Europas auf der Tagesordnung hat. Dabei ist fr uns klar: Die Strkung der Wettbewerbsfhigkeit, die Schaffung neuer Arbeitspltze und die Verbesserung des sozialen Zusammenhalts sind gleichrangige Ziele, die sich gegenseitig bedingen. Das ist unser Verstndnis von Reformpolitik, und das ist auch unser Verstndnis von dem, was wir europisches Sozialmodell nennen.
 
Dieses Sozialmodell ist nicht berall auf der Welt akzeptiert. Europa muss dafr kmpfen, dieses Modell als wettbewerbsfhiges, erfolgreiches Modell durchzusetzen, und die dafr notwendigen Standards setzen.
 
Nun wissen wir, dass fr den Erfolg dieser Strategie ganz wesentlich die Mitgliedstaaten Verantwortung tragen. Genau deshalb diskutieren wir bei uns zu Hause ber umfangreiche Reformvorhaben. Natrlich mssen durch die Rahmenbedingungen, die von der Europischen Union, also von Brssel, gesetzt werden, diese Anstrengungen untersttzt werden. Deshalb haben wir auch ganz bestimmte Schwerpunkte im Rahmen der Lissabonstrategie fr den diesjhrigen Frhjahrsrat vorgesehen. Dazu gehren die Fragen des sozialen Zusammenhalts; dazu gehren die Energiepolitik und der Klimaschutz; dazu gehren der Ausbau und die Vervollkommnung des Binnenmarkts sowie mehr Flexibilitt durch Brokratieabbau. Das sind die Schwerpunkte des diesjhrigen Frhjahrsrats.
 
Die Kommission kann darauf verweisen, dass sie die im Rahmen der Lissabonstrategie angesetzten Vorhaben bereits zu 75 Prozent umgesetzt hat. Die Ziele der Lissabonstrategie zu erreichen, beruht auf einer Mischung von nationalen und europischen Anstrengungen. Aber wir wissen natrlich auch, dass wir von der Zielsetzung der Lissabonstrategie, nmlich der dynamischste, kreativste und wachstumsfreundlichste Kontinent der Welt zu werden, noch ein ganzes Stck entfernt sind. Das heit, es bleibt noch einiges zu tun.
 
Wir haben aber  auch das soll einmal erwhnt werden  Fortschritte erzielt. Eine Studie aus jngster Zeit von Allianz und der Denkfabrik Lisbon Council hat ergeben, dass Schweden, Belgien, Deutschland und Grobritannien in der Produktivitt die USA eingeholt haben. Wir wissen alle um die Relativitt solcher Studien. Aber ich glaube, dieses Ergebnis macht Mut gerade fr weitere Reformschritte.
 
Die Zahlen belegen es: Die wirtschaftliche Dynamik in Europa hat sich insgesamt verstrkt. Nach 1,7 Prozent Wachstum im Jahre 2005 hatten wir im letzten Jahr 2,8 Prozent Wachstum. Die Arbeitslosenquote  fr viele Menschen ist die Schaffung von Arbeitspltzen am wichtigsten  wird von 8,8 Prozent im Jahre 2005 auf voraussichtlich 7,3 Prozent im Jahre 2008 sinken.
 
Wir wissen, dass Deutschland in diesem europischen Konzert eine ganz wesentliche Rolle spielt. Die gestrigen Arbeitsmarktzahlen zeigen  ohne dass ich sie jetzt berbewerten will , dass wir auf einem richtigen Weg sind. Wir knnen uns natrlich mit einer Arbeitslosenzahl ber 4 Millionen nicht abfinden. Wir knnen aber sagen, dass gegenber dem Vorjahr sehr groe Fortschritte erzielt worden sind. Darauf mssen wir aufbauen und da mssen wir weitermachen.
 
Wir wissen, dass der Abbau berflssiger Brokratie ganz wesentlichen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben kann. Die Europische Kommission hat sich vorgenommen, bis 2011 die Brokratielasten fr die Unternehmen um 25 Prozent zu senken. Das bedeutet nach Aussage der Europischen Kommission eine Mglichkeit fr zustzliches Wirtschaftswachstum in Hhe von etwa 1,5 Prozent. Dieser Weg lohnt sich also. Ich begre deshalb dieses Abbauziel. Ich hoffe, wir knnen das auf dem Rat nchste Woche vereinbaren. Wir haben gestern im Kabinett beschlossen, dass die Brokratie in Deutschland um etwa 25 Prozent bei den Statistik- und Berichtspflichten abgebaut werden soll. Ich glaube, das ist ein gutes, nationales, komplementres Ziel, mit dem wir dann auch in Europa entsprechende Vernderungen einfordern knnen.
 
Wir bekennen uns dazu, dass wir einen Ordnungsrahmen fr die wirtschaftliche Entwicklung brauchen, aber einen Ordnungsrahmen, der freiheitliche Spielrume erffnet und ermglicht. Deshalb ist fr uns auch ein Schwerpunkt innerhalb dieses Jahres ein erfolgreicher Abschluss der Doha-Runde, fr den wir uns ganz massiv einsetzen werden. Denn wir wissen, dass von einer Liberalisierung des Welthandels sowohl die Europische Union als auch ganz besonders der Exportweltmeister Deutschland profitieren knnen. Wir wissen aber auch, dass wir mit fairem Welthandel den Entwicklungslndern in ganz besonderer Weise helfen. Es gibt also eine groe Dringlichkeit, hier voranzukommen.
 
Wir wollen die Anstrengungen fr einen freien Welthandel ergnzen  ich sage das ganz ausdrcklich, weil es manchmal durcheinandergebracht wird  um eine engere transatlantische Wirtschaftspartnerschaft. Hier geht es nicht um Zlle und tarifliche Hindernisse, sondern darum, dass wir bei den Regelungsnormen zwischen der Europischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika mehr Harmonisierung beim Schutz des geistigen Eigentums, bei Finanzmarktvorschriften und bei Standards fr Industrieprodukte erreichen. Wir glauben, dass wir auf diesem Weg erhebliche Spielrume freisetzen knnen, die wir dann wieder fr Innovation und Kreativitt verwenden knnen. Wir wissen, angesichts des Wettbewerbs mit China und Indien ist das dringend erforderlich. Ich freue mich, dass es gute Anzeichen dafr gibt, dass wir genau dies auf dem nchsten Europischen Rat vereinbaren knnen.
 
Eine solche transatlantische Wirtschaftspartnerschaft wird auch Gegenstand des EU-Amerika-Gipfels Ende April sein, auf dem wir dieses Projekt vorantreiben wollen.
 
Meine Damen und Herren, wir wissen, zu einer sicheren wirtschaftlichen Zukunft gehrt ganz wesentlich eine sichere Energieversorgung. Das heit, wir brauchen verlssliche, bezahlbare und nachhaltige Energie. Dazu gehrt natrlich in unmittelbarem Zusammenhang das Thema Klimaschutz. Beides sind ganz wesentliche Wachstumsmotoren. Deshalb wird dies einer der Schwerpunkte auf dem nchsten Europischen Rat sein. Wir werden, wenn die Beratungen erfolgreich sind, eine strategische Grundlage fr eine wettbewerbsfhige, klimavertrgliche und sichere Energieversorgung schaffen, die die Voraussetzung dafr ist, dass sich die Europische Union auch weiter vernnftig entwickeln kann.
 
Wir sollten uns einmal vor Augen fhren, vor welcher Herausforderung wir beim Klimaschutz stehen, wenn wir die internationalen und wissenschaftlichen Berichte, die wir hren, wirklich ernst nehmen. Wenn wir weitermachen wie bisher, dann werden die Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 weltweit um 55 Prozent gestiegen sein. Wir knnen nicht die Augen davor verschlieen, dass das erhebliche Folgen hat. Ich frage: Wollen wir die Augen davor verschlieen, dass wir in den letzten zwlf Jahren elf der wrmsten Jahre seit der Wetteraufzeichnung hatten? Wollen wir einfach hinnehmen, dass der Meeresspiegel steigen wird und Stdte wie Amsterdam, Venedig, Kairo und Bombay damit in Gefahr geraten? Wollen wir hinnehmen, dass wir vllig unbekannte Wetterphnomene haben, und zwar, wie fr Mitte dieses Jahrhunderts vorausgesagt wird, Tropennchte in der Harzregion?  Ich glaube, wir knnen dem nicht tatenlos zusehen, zumal wir aus dem Stern-Report wissen, welche wirtschaftlichen Kosten sich aus dem Nichthandeln ergeben. Deshalb ist es Zeit, zu handeln, und deshalb muss gehandelt werden.
 
Wir haben diese Diskussion im vorigen Jahr auf dem Frhjahrsrat unter dem Thema Energie, aber auch unter dem Thema Klimaschutz begonnen. Die Kommission hat darauf mit ihren Vorschlgen zu einem integrierten Konzept reagiert. Das ist ein qualitativer Schritt nach vorne. Es ist jetzt Aufgabe des Rates, dieses integrierte Konzept zu untersttzen.
 
Es gibt ambitionierte Klimaschutzziele. Ich bekenne mich zu dem Vorschlag  ich freue mich, dass auch der Umwelt- und der Energierat das gemacht haben , die Treibhausgasemissionen in der Europischen Union bis zum Jahre 2020 um 20 Prozent zu senken. Wenn noch andere internationale Player dabei sind, werden wir auch eine 30-Prozent-Senkung ins Auge fassen.
 
Ich mchte hier aber nicht verschweigen, dass das ein wirklich ehrgeiziges Ziel ist. Ich will Folgendes vor Augen fhren: Das Kiotoprotokoll verlangt von der Europischen Union, dass die CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2012, also in 22 Jahren, um 8 Prozent gesenkt werden. Das, wozu wir uns jetzt verpflichten, bedeutet, dass wir zwischen 2012 und 2020, also in acht Jahren, noch einmal um 12 Prozent senken. Wir haben heute, zu Beginn des Jahres 2007, in der Europischen Union von der vereinbarten 8-Prozent-Senkung 1,2 Prozent erreicht.
 
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich im Rahmen des Kiotoprotokolls verpflichtet  obwohl wir nur 20 Prozent der Einwohner und ein Viertel der Emissionen in der Europischen Union haben , 75 Prozent der Reduktionsverpflichtung zu bernehmen, weil wir natrlich durch die deutsche Einheit einen gewissen Startvorteil hatten. Das wird in der nchsten Periode so nicht mehr gehen.  Damit habe ich die Dimension dessen beschrieben, wozu sich die Europische Union verpflichten mchte.
 
Ich sage ganz klar: Wir werden in der Phase bis 2020 den Beweis erbringen mssen  wir wollen das auch , dass kologie und konomie miteinander vershnt und Strategien entwickelt werden knnen, die sowohl Wirtschaftswachstum und Arbeitspltze als auch einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt ermglichen. Das ist die groe Aufgabe, vor der wir stehen.
 
Deshalb finde ich es richtig, dass die Kommission es nicht bei der Definition des Ziels belassen hat, sondern dass sie auch ehrgeizige Ziele formuliert hat, die den Weg beschreiben, wie man dort hinkommen kann.
 
Ein Schlssel ist die Energieeffizienz, das heit die Frage, wie wir das Gleiche mit weniger Energieverbrauch erreichen knnen. Hier haben wir in der Bundesregierung, untersttzt vom Deutschen Bundestag, mit dem CO2-Gebudesanierungsprogramm neue Wege beschritten. Ich will aber darauf hinweisen, dass das, was wir in diesem Rahmen an Reduktion von CO2-Emissionen erreichen, um ein Vielfaches bertroffen werden muss, wenn wir die Gesamtziele erreichen wollen. Wir werden mit unserem CO2-Gebudesanierungsprogramm ungefhr 1 Million Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Gemessen an der notwendigen Gesamtmenge ist das zwar ein richtiger Schritt; das reicht aber bei Weitem nicht aus.
 
Es ist daher richtig und wichtig, dass wir ganz wesentlich in Technologieforschung, in Energieeffizienzforschung investieren. Dem dient auf nationaler Ebene natrlich die Hightechstrategie und dem dient innerhalb der Europischen Union das siebte Rahmenforschungsprogramm. Noch nie in der Geschichte der Europischen Union hat es ein so umfangreiches Forschungsprogramm gegeben. Dieses Forschungsprogramm muss sich natrlich mit der gesamten Breite der Emissionen von Treibhausgasen beschftigen. Hierzu gehren neben den erneuerbaren Energien, die ein groer Schwerpunkt sind, auch emissionsarme Kohletechnologien mit Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff. Das ist ein ganz neues Feld. Die Europische Union will bis 2015 zwlf Demonstrationsanlagen errichten. Vattenfall hat hier in Brandenburg mit der Planung der ersten Anlage begonnen. Man muss wissen: Durch eine CO2-Abscheidung erniedrigt sich der Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke. Genau an dem Punkt muss geforscht werden. Die Fragen der Speicherung  ich sage hinzu: spter auch der Verwendung des CO2  sind vllig ungelste technische Probleme, aber auch sehr spannende Fragen.
 
Wir wollen daran arbeiten  das ist ein unglaublich ehrgeiziges Ziel , dass solche Kohlenstoffabscheidungstechnologien in groem Mastab bis 2020 auf dem Markt sind.
 
Wir brauchen emissionsarme Fahrzeuge und sogenannte Plus-Energiehuser, also Huser, mit denen mehr Energie erzeugt als verbraucht wird.
 
Ich will noch kurz etwas zu der Fahrzeugdiskussion sagen, weil das Thema aus meiner Sicht in der ffentlichkeit zum Teil verzerrt diskutiert wurde. Die Bundesregierung untersttzt das Ziel, bis 2012 die CO2-Emissionen auf 120 Gramm pro Kilometer im Durchschnitt der europischen Autoflotte zu senken, auf 130 Gramm durch Technologie und dann auf 120 Gramm durch die Beimischung von 10 Prozent Biokraftstoffen. Darber herrscht auch Einverstndnis. Wir legen aber Wert darauf, dass diese Werte nicht pro Hersteller erreicht werden mssen, sondern dass dies ein Flottenmittelverbrauch ist. Es ist uns gelungen, dass die Kommission das akzeptiert hat. Das heit nicht, dass die technischen Anstrengungen fr die groen Fahrzeuge nicht genauso gro sein mssen wie fr andere.
 
Das heit aber, dass auch diejenigen, die schon heute weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoen, die Verpflichtung haben, technologische Verbesserungen durchzusetzen, damit der Durchschnitt sinkt. Das gilt fr jeden.
 
Die Europische Union ist schon heute weltweit fhrend im Bereich der Technologie fr erneuerbare Energien. Bei der Windenergie haben wir  darauf knnen wir stolz sein  einen Weltmarktanteil von 60 Prozent.
 
 Es macht richtig Eindruck in China und Indien, wenn wir uns jetzt in diesem Hause darber streiten, wer nun wir ist.
 
Freuen wir uns jetzt doch gemeinsam darber, dass wir bei der Windenergie einen Weltmarktanteil von 60 Pro-zent haben. Ob das nun ein Gesetz war, das noch von dem Kollegen Austermann, der heute in Schleswig-Holstein Minister ist, gemacht wurde, oder ob es von den Nachfolgern gemacht wurde: Tatsache ist, wir sind erfolgreich. Darber freuen wir uns jetzt einfach mal zehn Sekunden lang, meine Damen und Herren.
 
Um das alles durchsetzen zu knnen, mssen wir im brigen den Wettbewerbsgedanken in Europa strken, das heit den Binnenmarkt im Strom- und Gasbereich durchsetzen. Wir erleben gerade in diesen Tagen wieder, dass das gar nicht so einfach ist.
 
Wenn die Sitzung des Europischen Rats in der nchsten Woche erfolgreich ist, werden wir einen Energieaktionsplan verabschieden. Das wird die erste gemeinsame, ber Jahre hinaus verpflichtende europische Antwort auf die Herausforderungen der Energiepolitik sein. Ich finde, das ist ein wichtiger und guter Schritt.
 
Wenn wir die Klimaschutzziele so vereinbaren, wie wir es jetzt vorhaben, dann werden wir fr unsere G-8-Prsidentschaft sowie die Gesprche auf dem EU-Amerika-Gipfel und auf dem EU-Russland-Gipfel die Voraussetzung dafr haben, dass Europa Vorreiter wird und damit im Bereich Klimaschutz beispielgebend ist.
 
Ich will hinzufgen: Ich wei, dass in der Europischen Union nur 15 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ausgestoen werden. Es ist klar, dass Europa es nicht allein schaffen wird  deshalb muss es gelingen, andere zu berzeugen , das Klimaproblem zu lsen. Fr mich ist aber auch klar: Wenn wir in Europa zeigen knnen, dass Wirtschaftlichkeit und Umweltvertrglichkeit, konomie und kologie, keine Gegenstze sind, dann wird uns das die Technologiefhrerschaft, die Innovationsfhrerschaft auf diesem Gebiet einbringen. Damit zeigen wir gleichzeitig, dass wir unserer Verantwortung fr die Welt gerecht werden. Diese Chance sollte Europa nutzen. Damit knnen wir bei den anderen werben.
 
Wir alle wissen: Europa reduziert sich nicht auf Richtlinien, Beschlsse ber Milchkhe, Olivenhaine und Chemikalien. Die Fhigkeit der 27 Mitgliedstaaten, sich in Einzelfragen immer wieder auf Kompromisse zu einigen, beruht auf der Tatsache, dass uns ein gemeinsames Verstndnis, ein gemeinsames Wertefundament eint. Wir mssen dieses Europa aus der Perspektive der Brgerinnen und Brger, der Menschen, denken. Deshalb wollen wir die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Rmischen Vertrge am 24. und 25. Mrz dazu nutzen, dieses Wesensmerkmal Europas in der Berliner Erklrung deutlich zu machen, und zwar zum einen durch die Benennung dessen, was gelungen ist, zum anderen aber auch durch die Benennung der Aufgaben fr das 21. Jahrhundert.
 
Wir wissen  ich glaube, das ist richtig so , dass die Frage, wie es nach dem Ende unserer Prsidentschaft mit dem Verfassungsvertrag weitergeht, fr unsere Prsidentschaft, vor allen Dingen aber fr die Zukunft der Europischen Union wesentlich ist. Sie wird auch darber entscheiden, wie wir in die Europawahlen 2009 gehen. Wir wissen, die gemeinsame Zukunft der Europischen Union lsst sich nicht mit dem Vertragswerk von Nizza gestalten. Wir brauchen einen Vertrag, der die regionale, die subsidire Verantwortung strker benennt, der Europa institutionell handlungsfhig macht, der deutlich macht, was die Europische Union eint. Deshalb werden wir bis zum Juni an dem Fahrplan, wie es mit dem Verfassungsvertrag weitergeht, zu arbeiten haben. Erste Konsultationen zeigen, dass es bei allen Schwierigkeiten eine breite Zustimmung fr die Auffassung gibt, dass wir ein Zeichen setzen mssen, dass diese Europische Union handlungsfhig ist.
 
Die Bundesregierung wird alles daransetzen, das in ihrer Kraft Liegende dafr zu tun; denn wir wissen: Europa ist unsere Zukunft. Globaler Handel, Umweltschutz, illegale Migration und internationale Sicherheitsfragen  all das knnen Nationalstaaten heute nicht mehr alleine bewltigen. Kaum ein Politikbereich  das spren wir auch im Bundestag  ist von den internationalen Implikationen unberhrt.
 
Weil das so ist, wnsche ich mir: Bleiben wir Europer uns trotz aller Probleme und Schwierigkeiten der beraus groen Zukunftschancen, die diese Europische Union hat, bewusst! Seien wir uns bewusst, dass es an uns liegt  so, wie es vor 50 Jahren den Grndungsvtern der Europischen Union gelungen ist , dadurch, dass wir ber den Tellerrand hinausschauen und die wesentlichen Herausforderungen unseres Jahrhunderts sehen, die europische Erfolgsgeschichte der letzten 50 Jahre in den nchsten 50 Jahren fortzuschreiben, um das zu schaffen, was heute zum groen Teil bereits geschaffen worden ist: einen Raum des Friedens, der Freiheit, der Sicherheit und des Wohlstands. Dafr lohnt es sich zu arbeiten.
 
Herzlichen Dank.